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             Otfried      

                                                 

                                 

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Ehe ich eigentlich das Weihnachtsfest schildern durfte, musste ich die Geburt Eures kleinen Brüderchens Otfried erwähnen. Otfried erblickte an einem Sonntagabend um 7 Uhr das Licht der Welt, nachdem Eure Mutter die ganzen neun Monate nur Angst und Schrecken erlebte. Morgens ging sie noch zur Kirche, nichtsahnend, da der Termin erst für Ende September erwartet wurde. Durch die Aufregungen war also unser Jüngster schon am 2.Sept.auf der furchtzitternden Welt, zum Glück konnte Eure Mutter noch im Krankenhaus sein in dem nur noch wenige Tage deutsche Ärzte und Schwestern arbeiteten. Als letztes deutsches Kind wurde Otfried am Standesamt eingetragen, dann wurde dieses polnisch. 

Nach 44 Tagen war in der evangelischen Kirche in Wünschelburg die Taufe. In einer kleinen engen Notwohnung verlebte nun der neue Erdenbürger zusammen mit Geschwistern, Mutter und Großelltern die ersten 6 Lebensmonate.


Das neue Jahr 1946 brach an und keiner wusste was es neues Schreckliches bringen würde, nachdem Gerüchte auftauchten, dass die ganze Stadt evakuiert werden sollte. Andere sagten wieder "die Polen ziehen ab". Wir standen dauernd zwischen Hoffen und Zagen. 

Am 15.1. 1946 hatte ich meinen 60. Geburtstag, zu welchem Tante Frieda einen stundenlangen Weg zurücklegte, um mich zu besuchen. Im Februar erkrankte 0ma Bason und starb am 28. Feb. 1946. 

Um die gleiche Zeit kam Opa, ganz bestürzt aus seiner Werkstatt und sagte, dass auch diese von einem polnischen Verwalter übernommen wird. Nun wurde uns noch das Letzte genommen, Maschinen, Handwerkzeug und Material. Der Verwalter zahlte ganz schlecht in Zloty und wir wussten nicht wie noch alles werden sollte. 

Wir packten schon so nach und nach für jeden einen Rucksack mit der nötigsten Wäsche und warteten ab. Am 13. März 46 sollte sich jeder Mann einen Ausweis holen, ob er dableiben kann oder nicht. Der polnische Verwalter besorgte einen solchen für den mit dem Opa arbeitenden Flüchtlingsmeister, aber nicht für unseren Opa, der gerade eine sehr kranke Hand hatte.

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Stand: 04. April 2010